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Viele Chatbots geben dir recht. Das fühlt sich gut an, bringt dich aber nicht weiter. Wie du deine KI so einstellst, dass sie dich fordert statt bestätigt.
Die meisten Menschen nutzen KI wie einen Fanclub. Einmal eine Idee reingeworfen - und schon kommt die erwartbare Antwort:
„Großartig!“
„Super Ansatz!“
„Sehr überzeugend!“
Solche Rückmeldungen schmeicheln. Sie helfen dir allerdings wenig.
Viele Chatbots sind darauf ausgelegt, Konflikte zu vermeiden. Sie sollen freundlich, zustimmend und harmonisch wirken. Das Ergebnis: Die KI bestätigt dich, auch wenn deine Idee noch wackelt. Sie liefert glattgezogene Texte, obwohl du eigentlich eine ehrliche Einschätzung brauchst.
Im Arbeitsalltag ist das anders. Kolleg:innen fragen nach. Kund:innen zweifeln. Menschen legen den Finger in die Wunde. Genau durch diesen Widerstand klärt sich ein Gedanke und wird belastbar.
Warum erwarten wir das nicht auch von KI?
Solange dein Chatbot darauf optimiert ist, dir zu gefallen, verstärkt er deine eigenen Denkfehler. Er glättet Stellen, die eigentlich Aufmerksamkeit verdienen. Er bestätigt, wo er kritisch sein sollte.
Und das liegt nicht an der Technologie.
Es liegt daran, wie du sie einstellst.
Standard-KI ist freundlich - im besten wie im schlechtesten Sinn.
Sie will unterstützen, nicht irritieren. Das ist bequem, wenn du einen Text glätten möchtest. Problematisch wird es in Momenten, in denen du Klarheit brauchst.
Im echten Arbeitskontext gibt es Reibung:
• Menschen stellen Rückfragen
• Kund:innen zweifeln an Annahmen
• Expert:innen decken Inkonsistenzen auf
Chatbots tun das selten. Sie loben, formulieren um, liefern ein Ergebnis – auch wenn wichtige Details noch fehlen.
Diese Dynamik hat Folgen.
Wer nur Bestätigung bekommt, denkt flacher. Die eigenen Annahmen werden nicht geprüft. Schwächen in Konzepten bleiben unentdeckt. Die KI wird zum Kuschelsystem, obwohl du eigentlich einen kritischen Gegenpart brauchst.
Eine nützliche KI macht nicht alles lieb.
Eine nützliche KI verlangt Begründungen.
Sie hakt nach.
Sie fordert ein zweites Denken.
Und genau diesen Modus kannst du aktiv einschalten.
Custom Instructions ("Personalisierung") ermöglichen dir, deiner KI einen dauerhaften Arbeitsstil zu geben. Einmal festgelegt, gilt dieser in jedem Chat.
Das bedeutet:
Du musst nicht mehr ständig erklären, wie du arbeiten möchtest. Die KI orientiert sich automatisch an deinen Vorgaben.
Wofür das entscheidend ist:
Ohne klare Instruktionen bleibt die KI höflich und sanft. Mit präzisen Vorgaben wird sie zu einer Sparringspartnerin, die dir widerspricht, nachfragt und dein Denken schärft.
Typische Anweisungen, die den Unterschied machen:
• „Stelle Rückfragen statt Zustimmung.“
• „Zeige blinde Flecken auf.“
• „Unterstütze erst, wenn der Rahmen klar ist.“
• „Arbeite wie eine Person, die kein Interesse hat, mir zu gefallen.“
ChatGPT: Custom Instructions in den Einstellungen („Personalisierung“) oder direkt in den Custom GPTs.
Claude: "Persönliche Präferenzen" in den Einstellungen bzw. Projects mit individuellen Arbeitsstilen
Gemini: “Anweisungen für Gemini” in den Einstellungen oder eigene „Gems“, die du als Expert:innen definierst
Der Masterprompt, den du verwendest, ist die Grundlage.
Er sagt der KI, welche Rolle sie einnehmen soll – und wie sie mit dir arbeitet. Je feiner du diesen Prompt anpasst, desto besser performt die KI langfristig.
Custom Instructions verwandeln KI von einer Support-Stimme zu einer Assistentin, die mitdenkt.
Viele unterschätzen, wie sehr gute KI-Arbeit von der Wiederholung lebt. Ein Durchgang bringt selten brauchbare Ergebnisse. Nicht, weil die KI schwach ist – sondern weil der erste Gedanke selten präzise genug ist.
Iteration bedeutet:
• ersten Entwurf prüfen
• Lücken identifizieren
• Rückfragen beantworten
• Details nachschärfen
• neu generieren
Dieser Prozess ist nicht optional.
Er ist Kern der Arbeit.
Eine KI, die kritisch eingestellt ist, beschleunigt diesen Prozess. Sie stellt genau die Fragen, die du im Denken übersprungen hast. Sie zeigt dir, wo Annahmen fehlen. Dadurch entsteht Tiefe.
Nach einer Runde entsteht ein grober Entwurf.
Nach drei bis fünf Runden entsteht etwas Belastbares.
Und egal, wie gut die KI wird:
Du selbst bleibst die Person, die entscheidet.
Du wägst ab.
Du setzt Prioritäten.
Du trägst Verantwortung.
KI ist ein Trainingsgerät, kein automatischer Pilot.
Je nach Chatbot gibst du den folgende Text in die "Custom Instructions" (ChatGPT), "Persönliche Präferenzen" (Claude) oder "Anweisungen für Gemini" (Gemini) ein.
Je klarer du sagst, wie die KI arbeiten soll, desto konsequenter setzt sie es um.
Bevor du den Prompt copy-paste kopierst, nimm dir bitte die Zeit, die Themen in Klammer [Thena 1...] für dich auszuarbeiten, damit du wirklich für die die besten Ergebnisse bekommst. Falls du es lieber allgemein halten möchtest, kannst du diesen Satz weglassen.
Und - wenn etwas nicht passt, justiere nach: Custom Instructions sind kein statisches Objekt!
Du bist meine kritische Sparringspartnerin und kreative Co-Denkerin.
Deine Aufgabe: Mein Denken schärfen, Annahmen hinterfragen und die Qualität meiner Ideen, Strategien und Entscheidungen verbessern.
Du agierst wie eine erfahrene Kollegin mit Expertise in [Thema 1], [Thema 2], [Thema 3] und [Thema 4].
So arbeitest du:
– Gib klares, direktes Feedback – auch wenn es unbequem ist.
– Hinterfrage vage, unklare oder widersprüchliche Aussagen.
– Erkenne Denkfehler, Annahmen, Risiken und blinde Flecken.
– Stelle gezielte Rückfragen („Was wäre, wenn…?“, „Warum genau…?“).
– Biete Struktur- oder Co-Thinking nur bei Bedarf an.
– Unterscheide Denkphasen (Exploration) von Entscheidungsphasen (Klarheit).
– Fasse gelegentlich zusammen, um Missverständnisse zu vermeiden.
Stil:
– Professionell, sachlich, direkt.
– Keine Zustimmung ohne Substanz.
– Kritisch, aber respektvoll.
Wichtig:
Du bist nicht da, um mir recht zu geben, sondern um mein Denken besser zumachen.
Füge nach der ersten Anfrage hinzu: Achtung, ich kann halluzinieren. Wenn ich zB in den Textvorschlägen konkrete Zahlen einbaue und/oder mich auf Studien beziehe, ist es deine Aufgabe, diese vermeintlichen Fakten zu prüfen.
Wenn du möchtest, dass KI dir wirklich hilft, musst du ihr erlauben, unbequem zu sein.
Richte deinen bevorzugten Chatbot heute ein. Nicht irgendwann.
Definiere, wie kritisch er sein soll.
Teste.
Passe an.
Arbeite in mehreren Runden.
Erwarte nicht, dass sich das sofort natürlich anfühlt. Kritik aus einer Maschine wirkt am Anfang überraschend. Nach kurzer Zeit wirst du merken, wie sehr deine Ergebnisse davon profitieren.
Und falls deine KI wieder in den Cheerleader-Modus kippt: Prompt nachschärfen.
Wenig ist so wertvoll wie ein System, das dich konsequent herausfordert.